Velo fahren – aber sicher!

Velo fahren und gleichzeitig den Verkehr im Auge behalten: Was schon Erwachsene fordert, ist für Kinder erst recht schwierig. Die Velo-Fahrschule vermittelt die Regeln und fördert das Selbstvertrauen. Ein Einblick in die Praxis. 

Ein Lastwagen donnert vorbei, drei PKWs folgen, dann ist es ein paar Sekunden ruhig, bis sich bereits wieder die nächsten Fahrzeuge der Kreuzung nähern. Es ist einiges los auf der Hauptstrasse zwischen Kehrsatz und Wabern bei Bern an diesem Montagmorgen. Den verkehrsreichen Kreisel korrekt zu befahren, ist das Ziel der Velo-Fahrschule einer vierten Klasse aus dem Schulhaus Wandermatte. Noch aber wird in einfacherem Gelände geübt.

Bevors losgehen kann, werden Velo und Helm auf Herz und Nieren geprüft.

Aufwärmen im Quartier

Die sieben Jungen und Mädchen drehen mit Verkehrspolizistin Simone Meyer und ihrem Kollegen Peter Buchschacher eine Runde auf den ruhigen Nebenstrassen im Quartier. Die Velos sind gecheckt, der Helm sitzt. Geduldig zeigen die beiden Instruktoren, was beim Links- und Rechtsabbiegen beachtet werden muss. Dann lassen sie die Kinder erklären, was Rechtsvortritt bedeutet. Obwohl nicht viele Autos unterwegs sind, ist auch im Wohnquartier Vorsicht angesagt. Nicht selten versperren Hecken, Bäume und Büsche die Sicht. Werden Kurven geschnitten, kann es böse Überraschungen geben. Die Verkehrspolizistin warnt: «Und aufgepasst, wenn es runter geht. Nicht einfach sausen lassen!»

Auf den ruhigen Nebenstrassen im Quartier lässt es sich gut üben.

Feuerprobe im Kreisel

Rund eine Stunde später sind die Kinder bereit für den grossen Moment: das Befahren des Kreisels an der Hauptstrasse. Meyer gibt klare Anweisungen: Blick zurück, Handzeichen, Einspuren, im Kreisel in der Mitte der Spur fahren, Blick zurück, Handzeichen, Kreisel verlassen. Nach einer Proberunde mit der Instruktorin werden die Kinder zu zweit losgeschickt. Einigen ist die Anspannung ins Gesicht geschrieben, andere gehen die Aufgabe eher locker an. Allen verlangt die Übung viel Konzentration ab.

Kreisel fahren fordert die volle Konzentration.

Multitasking gefordert

«Die Kinder müssen sehr viele Dinge gleichzeitig machen», erklärt die Verkehrspolizistin später. «Je besser sie ihr Fahrzeug beherrschen, desto leichter fällt es ihnen, ihre Aufmerksamkeit dem Verkehr zu widmen». Die beiden Instruktoren motivieren die Jungen und Mädchen deshalb, so oft wie möglich das Velo zu nutzen. «Wenn Kinder auf dem Velo unsicher sind, liegt es meist daran, dass ihnen das Velofahren gar nie beigebracht wurde.», sagt Meyer. Sie versuche, jedes Kind bei seinem Können abzuholen und in der Fahrschule weiterzubringen.

Gute Zusammenarbeit mit Schulen

Die Verkehrspolizistin schätzt die Präventionsarbeit mit den Kindern: «Ich kann ganz konkret einen Beitrag dazu leisten, dass weniger Unfälle passieren.» Zufrieden ist sie auch mit der Zusammenarbeit mit der Schule. «Der Verkehrsunterricht ist gesetzlich verankert und in den Schulen etabliert. Zudem sind die Unterrichtsinhalte mit dem Lehrplan 21 abgestimmt.» Von den Gemeinden wünsche sie sich noch mehr sichere Übungsorte: «Mehr Verkehrsschulungsanlagen, die frei sind von Individualverkehr, wären toll», so Meyer.

Nach mehreren Runden durch den Kreisel hat die Gruppe Applaus verdient: «Das habt ihr super gemacht!», lobt die Verkehrspolizistin. Die Kinder strahlen und sind zuversichtlich: «Die Velofahrprüfung in der fünften Klasse werden wir bestehen!»

Selma: im Quartier unterwegs

«Mein Velo ist neu, ich habe es erst kürzlich bekommen. Es gefällt mir gut, es ist schneller als das alte. Ich fahre gerne im Quartier herum, lege damit den Weg ins Kunstturnen zurück und unternehme ab und zu eine Velotour mit meinem Papa. Ich bin schon von Bern nach Thun gefahren, das sind etwa 30 Kilometer.»

Mischa: 250 Kilometer in vier Tagen

«Ich konnte mein Velo von meinem älteren Bruder übernehmen. Im Sommer fahre ich damit in die Badi. Einmal im Jahr machen wir mit der Familie eine längere Velotour. Die längste war 250 Kilometer. Wir haben sie in vier Tagen geschafft.»

«Ich sehe mich als Vorbild»

Primarlehrer Alain Imoberdorf über den Beitrag der Schule an die Verkehrssicherheit.

Herr Imoberdorf, fahren Sie selbst Velo?
Ja, ich nutze mein E-Bike täglich zum Pendeln. Ich besitze kein Auto, daher bin ich im Alltag auf mein Fahrrad angewiesen.

Welchen Beitrag kann die Schule an die Verkehrssicherheit der Kinder leisten?
Zum einen für sichere Schulwege sorgen: Sie ermutigen die Kinder, das Fahrrad zu nutzen. Zum anderen in Zusammenarbeit mit der Polizei die Velo-Fahrschule durchführen: Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur Prävention von Unfällen.

Wie sehen Sie Ihre Rolle als Lehrer?
Da ich selbst täglich Velo fahre, sehe ich mich primär als Vorbild für die Kinder. Darüber hinaus kann ich die Polizei in ihrer Arbeit unterstützen, indem ich Themen rund um die Verkehrssicherheit im Unterricht aufnehme.


Unterrichtsmaterial zum Thema Verkehr

Auf der Plattform verkehrsbildung.ch des Fonds für Verkehrssicherheit (FVS) finden Lehrpersonen, Instruktoren und Eltern eine Fülle an Material für den Verkehrsunterricht.